Volkswagen California Campingbus – Ein Erfahrungsbericht


Von Andreas Daniel
(Spezialist für Campingbusse von Reimo und Volkswagen bei Reimo-Pan in Bochum)

Seit mehr als 20 Jahren verkaufe ich Campingbusse und baue sie aus. In dieser Zeit habe ich auch viele Volkswagen California in Zahlung genommen oder angekauft und verkauft. In dieser Zeit bin ich natürlich auch mit mehreren Volkswagen California Comfortline der Baujahre 2006 – 2011 in Urlaub gefahren.
Der California hat den klassischen Grundriss mit der Möbelzeile hinter dem Fahrersitz und wirkt insgesamt sportlich und wertig. Der Grundriss entspricht vom Layout her etwa dem Campingbus Reimo TrioStyle.

1. Volkswagen California Möbelbau

Möbel werden seit Jahrhunderten aus Holz hergestellt. Holz fühlt sich warm an und ist ein natürlicher Wertstoff. Der Möbelbau im Volkswagen California wird aus Alu-Metawell-Platten gefertigt. Das Konstruktions-Prinzip ist wie bei einem Wellkarton. Oben und unten ist eine Metalldeckschicht, in der Mitte sitzt als Abstandshalter und Versteifung gewelltes Aluminium. Der Vorteil ist, die Platten sind extrem stabil, meist dünner als Holz und sind nicht schwer. Die Oberfläche wird mit einer Folie mit Holzdekor beschichtet. Nach meiner Erfahrung ist die Möbel-Oberflächenfolie ziemlich empfindlich, die Beschichtung verkratzt schnell. Die Möbel-Oberfläche nimmt meist die Temperatur des Innenraumes an. Sie fühlt sich manchmal etwas kühl an. Sonst gibt es von der Funktion wenig zu meckern. Die Möbel sind stabil und zweckmäßig. Für mich etwas hightech und nicht so gemütlich.

2. Camping-Stühle in der Heckklappe

Im Volkswagen California ist eine Halterung für spezielle Campingstühle auf der Heckklappe angebracht. Der Vorteil ist, dass die Stühle nicht unter dem Schlafpolster verstaut werden müssen. Der Nachteil ist, das Fach in der Heckklappe verkürzt den Innenraum. Und sie sind separat untergebracht und gut zugänglich.
Insgesamt hat mir die Lösung aber gefallen, zumal die Klappstühle serienmäßig im Lieferumfang sind.

3. Die Küchenzeile im Volkswagen California

Praktisch ist die Plastik-Spülschüssel in der Edelstahl-Spüle. Was mir nicht gefiel, war die Stauschrank-Unterteilung durch ein dünnes Alu-Einlegebrett. Bei schweren Töpfen biegt es sich leicht durch und die Töpfe rutschen etwas.
Insgesamt ist die Küchenzeile ähnlich wie bei den meisten Campingbussen.
Bei einigen Modellen, die ich fuhr, passt die Toilette allerdings nicht mehr rein. Die Toilette steht dann meist irgendwo hinter Fahrer- oder Beifahrersitz im Wohnraum herum. Das ist störend und lästig. Prüfen Sie am besten, ob bei Ihrem Wunschmodell eine Toilette passt. Die beste Toilette im Volkswagen Transporter 5 Campingbus gibt es nach meiner Einschätzung im Reimo MultiStyle.

4. Die Schlafsitzbank

Insgesamt ist die verschiebbare Sitzbank im California sehr zweckmäßig. In der Schlafstellung ist die Liegefläche für mich im Rückenbereich etwas unbequem. Ich habe hier meist noch eine gepolsterte Unterlage untergelegt. Ein dicker Deckenschlafsack macht die Liegefläche deutlich bequemer. Die Bettbreite im California ist mit 1,04 m Polsterbreite für 2 Personen knapp bemessen. Für mich als Single war es ok. Die Betätigung der Verriegelung beim Umbau war zuweilen etwas hakelig.

5. Der California ist konzipiert als 4-Sitzer

An der Sitzbank befinden sich zwei 3-Punkt-Gurte, sodass 2 Personen im Wohnraum mitfahren können. Mit Fahrer und Beifahrer können 4 Personen sicher fahren.

6. Gardinen, Rollos und Fahrerhaus-Verdunkelung

Die Rollos, die in der Seitenverkleidung des California integriert sind, sind bequem zu bedienen und haben nahezu Pkw-Optik. Das Front-Rollo im Volkswagen California ist ebenfalls leicht zu bedienen und praktisch. Leider bleibt direkt über dem Armaturenbrett ein ca. 5 cm schmaler Spalt offen. Die Verdunkelung der Seitenfenster besteht aus einer Stoffblende mit Federdraht-Rahmen. Ich empfand das Handling dieser Verdunkelung immer als sehr unpraktisch. Reimo bietet ein Volkswagen Frontscheibenrollo als Nachrüstung an, so dass auch Campingbusse anderer Marken nachgerüstet werden können.

7. Das Aufstelldach im Volkswagen California

Das Schlafdach sitzt seitlich in zwei Regenrinnen. Diese Aluminium-Schienen sind auch gleichzeitig die Befestigung für die Markisenhalterung. Insgesamt ist das eine zweckmäßige Lösung. In den Regenrinnen ist auch eine Aufnahme für einen Zeltanschluss. Die Multirail von Reimo oder die Toprail von Brandrup haben eine ähnliche Funktion. Regen läuft bei offenen Türen nicht in das Fahrzeug und das Vorzelt lässt sich regendicht anschließen.

8. Befestigung von Sonnendach oder Buszelt beim Volkswagen California

Für die Befestigung von Sonnendächern muss man eine Kunststoff-Adapterleiste als Extra nachkaufen. Die Kunststoff-Adapterleiste wird in die Serienmäßige Alu-Schiene eingeschoben. Sie enthält die übliche Kedernut für die Befestigung von Sonnendach oder Buszelt. Ein Schleusenstab kann auch daran befestigt werden.

9. Der Stauraum im Volkswagen California

Der Stauraum unter dem Heckpolster hat eine für den T5 Campingbus normale (knappe) Größe. Der Stauraum im Reimo TravelStyle oder im Reimo TrioStyle dürfte in etwa 100 Liter größer sein. Der Kofferraum im Reimo FreeVan ist noch einmal erheblich größer. Beim FreeVan ist die Sitzposition weiter vorne und die Liegefläche deutlich höher. Ob die Größe des Kofferraumes im California ausreicht, muss jeder selbst beurteilen. Für mich war die Größe ausreichend.

10. Volkswagen California – das elektrische Aufstelldach

Das Schlafdach stellt sich auf Knopfdruck auf. Das ist erst einmal bequem. Leider kommt es immer wieder vor, dass es nicht oben bleibt. Der Motor schaltet sich dann automatisch ein und pumpt das Dach wieder hoch. Ich selbst habe einen leichten Schlaf. Durch das automatische Hochpumpen des Schlafdaches, mitten in der Nacht, bin ich schon einige Male in der Nacht wach geworden!

Den California Beach gibt es inzwischen auch mit einem manuell hochstellbaren Aufstelldach.

11. Der Gasvorrat im California

Gekocht wird im California mit Butan-Gas, die Camping-Gas-Flasche hat 2,8 kg Gasvorrat. Butan-Gas ist eher für den Einsatz im Sommer geeignet, da es bei Temperaturen unter 0°C nicht in die Gas-Phase übergeht. Ich hatte keine Probleme damit, da ich den California nur in der warmen Jahreszeit genutzt habe.
Der Gasvorrat ist nur für den Betrieb des Kochers. Für kurze bis mittlere Urlaube ist das ausreichend. Die Kühlbox wird mit Strom betrieben, sodass der Gasvorrat bei Urlauben bis 14 Tage bei mir immer ausreichend war. In meinen anderen Campingbussen hatte ich bisher immer 2 x 5 kg Propangas, dieser Vorrat ist natürlich größer.

12. Die 12V –Elektroanlage im Volkswagen California

Von Kunden habe ich gehört, dass ihnen die Batteriekapazität im Volkswagen California zu gering wäre. Ich selbst war mindestens jeden zweiten Tag auf Camping-Plätzen, wo ich Stromanschluss hatte. Für meine Urlaubsgewohnheiten war die Batteriekapazität zufriedenstellend.
Der Volkswagen California wird serienmäßig mit 2 Batterien ausgeliefert. Die 1. und die 2. Batterie werden über ein Trennrelais während der Fahrt geladen. Als VW-Option kann eine 3. Batterie bestellt werden, diese ist jedoch nicht über das Trennrelais in das Board-System integriert.

13. Die Dieselheizung von Webasto (ab Volkswagen Transporter 5, vorher Eberspächer)

Die Dieselheizung bringt Nachteile auf Camping-Plätzen. Die Dieselheizung im California funktioniert gut. Nachteilig auf Campingplätzen ist aber die Geräuschbelästigung und Geruchsbelästigung für den Nachbarn. Auf Campingplätzen macht man sich keine Freunde. Ich persönlich ziehe daher die Truma Gasheizung vor.

14. Den Volkswagen California gebraucht kaufen

Wenn der Volkswagen California Scheckheft-gepflegt wurde, gibt es von der Technik her wenig Probleme. Bei der Innenausstattung sieht man bei der ersten Durchsicht meist, ob das Fahrzeug schonend behandelt wurde. Bei Schaltgetrieben sind 200.000 km – 300.000 km Motorleistung häufig anzutreffen, wenn regelmäßig der Service gemacht wurde. Beim Volkswagen Transporter 4 habe ich sogar schon Fahrzeuge mit 400.000 km mit der ersten Maschine erlebt.
Entscheidend sind also Pflege und Service.

15. Das DSG-Schaltgetriebe

Einige Ausführungen des DSG sollen bereits bei 60.000 km Probleme gemacht haben. Soweit ich weiß, hat Volkswagen mit Hochdruck an der Verbesserung des DSG gearbeitet. Der aktuelle Stand ist mir nicht bekannt. In China ist gerade für alle DSG-Getriebe, laut Handelsblatt, eine Rückrufaktion im Gange. Das Fahrverhalten mit DSG ist prima. Ich persönlich würde wieder einen Campingbus mit DSG bestellen.

16. Der Volkswagen California – Zusammenfassung

Der Volkswagen California ist ein guter Campingbus, auch für die Nutzung jeden Tag.
Sehr wichtig ist es, ein gepflegtes Exemplar zu bekommen. Die Lebensdauer ist bekannt hoch. Viele sogenannte „Kinderkrankheiten“ hat VW inzwischen behoben. Ob Sie die Eigenheiten stören, müssen Sie selbst beurteilen. Mit Zubehör von anderen Herstellern wie Reimo kann jeder Besitzer ihn weiter optimieren. Als wichtigstes Zubehör empfehlen wir Ihnen ein Volkswagen Bus Zelt für mehr Lebensraum auf dem Campingplatz oder am Traumstrand.

Stand April 2013